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10.000 Jahre Ibbenbüren - Ein Ausflug in die Vor- und Frühgeschichte -
Teil 1 - Von Albert Recknagel
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(Einleitung) Ibbenbüren
hatte schon lange vor der ersten schriftlichen Erwähnung Bewohner. Die Existenz
von Frühmenschen wie dem Homo Erectus und dem Neandertaler ist in Ibbenbüren und
Umgebung (bislang) nicht belegt. Da aber sowohl weiter nordöstlich als auch südlich
Werkzeuge und Knochenreste gefunden wurden und in unserer näheren Umgebung markante,
weithin sichtbare und Schutz gebende Felsformationen vorkommen, kann man davon
ausgehen, dass beide Frühmenschen auch unseren Raum durchstreiften.
Als vor etwa 17.000 Jahren die letzte Eiszeit zu Ende ging, lag die durchschnittliche
Jahrestemperatur in Ibbenbüren noch unter 0° C, so wie heute in Sibirien. In den
nachfolgenden Jahrtausenden erwärmte sich das Klima jedoch beständig, auch wenn
es zwischendurch immer wieder zu Kälteperioden kam. |
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Um die Bewegungen und
Standorte der steinzeitlichen Jäger- und Bauernkulturen zu verstehen, ist ein
Blick auf die Geographie Ibbenbürens hilfreich. Im Gebiet der Stadt
Ibbenbüren stoßen mit dem nordwestdeutschen Tiefland und dem nordwestdeutschen
Mittelgebirge zwei naturräumliche Großlandschaften aneinander. Ibbenbüren wird
geprägt durch den steilen Kamm des Teutoburger Waldes (Dörenther Osning)
und die Schafbergplatte, die bei Osterledde die Höhe von 174 m erreicht. Im nördlichsten
Ortsteil Nieder-Bockraden senkt es sich bis 35 - 40 m und erreicht die Ausläufer
der Feucht- und Moorgebiete des nordwestdeutschen Tieflands. Zwischen Schafbergplatte
und dem Teutoburger Wald liegt die 3 - 5 km breite Ibbenbürener Senke, in der
die Ibbenbürener Aa verläuft. Das Aa-Tal ist naturräumlich betrachtet ein Mittelgebirgstal,
welches nach Nordwesten in die Norddeutsche Tiefebene mit ihren großen unwegsamen
Moorgebieten hineinragte. |
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Die Ibbenbürener Senke
öffnet sich nach Westen zur Ems hin. Der Teutoburger Wald wird vom Bocketal und
bei Dörenthe von zwei Quertälern (Pässen) durchbrochen. Im Süden (Dörenthe)
reicht das Gemeindegebiet in die Ausläufer der flachen Parklandschaft des Münsterlands
hinein. In der herausgehobenen ca. 70 km² großen Ibbenbürener Karbonscholle (Schafbergplatte
mit Dickenberg) stehen die Steinkohlenflöze oberflächennah an. Mit
Eisenerz, Sandstein und Schieferton kommen im Bereich der Schafbergplatte weitere
Bodenschätze vor. Überwiegend ertragsreiche Braunerden bedecken die Schafbergplatte;
an den nördlichen und südlichen Hangfüßen kommen z. T. großflächige Plaggeneschböden
vor. Tab 1: Naturräume auf dem Gemeindegebiet
Ibbenbürens. (Entwurf: G. BERKEMEIER ; Datengrundlage Abb. 92: MEISEL 1961)
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Bis etwa 1860 gab es noch
einen wasserreichen Nebenfluss, die Plane, die vom Schafberg kommend östlich parallel
der Osnabrücker Straße (B 219) verlief und nahe dem ehemaligen Gut Langewiese
in die Ibbenbürener Aa mündete. Die abwechslungsreiche geologische Gliederung
erlaubte unterschiedliche Mikroklimata, die dank ausreichender Wasservorkommen
zu einer Vielfalt an pflanzlicher und tierischer Natur führten und unsere Region
für Jäger und Sammler attraktiv machte. |
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| Die
Altsteinzeit - vom Neandertaler zum Homo sapiens |
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Die frühe Anwesenheit
von Jägern und Sammlern im Raum Ibbenbüren ist von daher sehr wahrscheinlich.
Sowohl der nordwestliche Fuß der Schafbergplatte als auch das südliche Vorland
des Teutoburger Waldes könnten bevorzugte Aufenthaltsorte von Großtierjägern gewesen
sein: Im Norden breiteten sich große Moorgebiete aus, im Süden lag eine feuchte
Niederung der westfälischen Bucht. Insbesondere feuchte, versumpfte Bereiche stellten
eine nahezu unüberwindbare Barriere dar. Die angrenzenden trockenen Bereiche der
Gebirgsfüße wurden wahrscheinlich zu Hauptwanderwegen von Menschen und Tieren.
Im Münsterländer Teil des flachen Gebirgsrückens des Osning finden sich zahlreiche
alt- und mittelsteinzeitliche Fundplätze. Sandsteinklippen bilden z.T. Felsdächer
(sog. Abris), die zu allen Zeiten der Urgeschichte als Rastplätze besucht
worden sind. Die ältesten bisher bekannten Funde aus der Westfälischen
Tieflandsbucht - Steingeräte und Reste der Jagdbeute des Neandertalers - reichen
mindestens bis zum Beginn der letzten Kaltzeit (Weichsel-Eiszeit) vor 115.000
Jahren zurück. Der älteste direkte Beleg urgeschichtlicher Menschen in Westfalen
ist das Schädelfragment eines Neandertalers aus Warendorf. Dieser erste (bekannte)
Westfale lebte vor rund 80.000 Jahren. Seine Lebensgrundlage in den baumarmen
Tundren- und Steppenlandschaften dieser Zeit war Großwild, vorwiegend Mammut,
Wollnashorn, Ren und Pferd. Ergänzt wurde die Ernährung durch das Sammeln von
Beeren, Nüssen und Wurzeln. Konkurrenz bekam er jüngst durch den Fund fossiler
Knochenreste und Steingeräte in einer Sandgrube in Coesfeld-Stevede. Sie wurden
auf 119.700 +/- 8600 Jahre datiert, also etwa zu Ende der Eem-Warmzeit bzw. Beginn
der Weichsel-Kaltzeit. Erst gegen Ende der letzten Eiszeit, dem Weichselglazial,
traten in Nordwestdeutschland wieder Jägerkulturen auf. Dank der Klimabesserung,
die in mehreren lang dauernden Schwankungen von Warm- und Kaltphasen um 15.000
v. Chr. einsetzte, begann im Spätpaläolithikum die neuerliche Durchstreifung Westfalens
und des norddeutschen Tieflands. Diesmal durch unsere direkten Vorfahren Homo
sapiens. Sein bisher ältester Nachweis in Westfalen, das Schädeloberteil eines
etwa 35-jährigen Mannes, stammt aus der Blatterhöhle bei Hagen und ist 10.700
Jahre alt. |
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Der anatomisch moderne
Mensch tritt in Mitteleuropa erstmals vor etwa 35.000 Jahren auf. Er scheint sehr
innovativ gewesen zu sein, denn er verbesserte die Zweckmäßigkeit der Waffen und
Geräte erheblich. Höhlenmalereien und Figuren aus Elfenbein und Stein sind erste
Zeugnisse menschlicher Kunst. Berühmt sind die südfranzösischen und nordspanischen
Bildhöhlen (z.B. Lascaux, Chauvet, Altamira) und die Elfenbeinfiguren aus den
Höhlen der schwäbischen Alb (z.B. Hohlefels- und Vogelherd-Höhle). Vergleichbare
Kunstwerke fehlen in Westfalen. Lediglich ein Tonschiefergeröll aus der Balver
Höhle (Märkischer Kreis) trägt (vermutlich) die Gravierung eines Pferdekopfes.
In der Mittelrheingegend um Gönnersdorf und Andernach sind dagegen zahlreiche
Kleinkunstwerke gefunden worden. Durch den grundlegenden Klimawandel
zu Ende der letzten Eiszeit stand der Mensch einer drastisch veränderten Umwelt
gegenüber. Während der wärmeren Allerödzeit (ca. 11.800 - 10.700 v. Chr. in Westfalen)
zogen erstmals nachweisbar Jäger der sog. Federmesser-Gruppe durch die
hiesige, baum- und wildreiche Landschaft mit Birken- und Kiefernwäldern. In der
Düsterdieker Niederung (Westerkappeln) trennt ein lang gestreckter Dünenzug zwei
ausgedehnte Moorgebiete. Auf dieser flachen und trockenen Anhöhe sind zahlreiche
steinzeitliche Fundstellen bekannt, darunter eine Reihe von gut erhaltenen Rast-
und Wohnplätzen. An einer Stelle gelang es, die Standspuren von kleinen ovalen
Hütten zu erfassen. Die Jäger der Federmesser-Kultur jagten Rothirsch, Wildschwein,
Elch und Biber. Neben Speer und Speerschleuder benutzten die Waldjäger jetzt auch
Pfeil und Bogen. Die Pfeile hatten fein bearbeitete Steinspitzen in Form einer
Feder. |
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Neben der Jagd auf Standwild
gewannen Fischfang und das Sammeln von pflanzlicher Nahrung an Bedeutung. Die
Wälder boten ein großes Angebot an essbaren Pflanzen und Pilzen. Besonders
die Haselnuss stellte eine wichtige Nahrungsquelle dar. Einzelne Personen
müssen weit herumgekommen sein, wie von weither mitgebrachte Gesteinsrohmaterialien
zeigen. . | | | Federmesser
- aus dem Buch "Rentierjäger der Späteiszeit" von Gernot Tromnau | |
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Als im Frühsommer 10.966
v. Chr. der Laacher-See-Vulkan in der Eifel ausbrach, wurde alles Leben im Umkreis
von mehreren Hundert Kilometern vernichtet. Ob es in unserem Gebiet Überlebende
gab, lässt sich aus Mangel an datierten Inventaren und Überresten nicht sagen.
Kaum 300 Jahre nach dem großen Vulkanausbruch ereignet sich eine neue Naturkatastrophe:
das schnelle Abschmelzen des nordamerikanischen Inlandeises führte dem Atlantischen
Ozean große Mengen Süßwasser zu, senkte die Wassertemperatur und führte zu einer
1000-jährigen Abkühlung auf der nördlichen Halbkugel. Die Nadelwaldzone verschwindet
und die Rentiere, die in unseren Breiten längst ausgestorben waren, wanderten
aus ihren Rückzugsgebieten im Norden und Osten Europas wieder zurück bis an den
Rand der nördlichen Mittelgebirgszone. Nordrhein-Westfalen gehörte nun wieder
in die Zone der kaltzeitlichen Tundren- und Steppenlandschaft, während Süddeutschland
weiter bewaldet blieb. Während dieser sog. Jüngeren Tundrenzeit (10.700
- 9.600 v. Chr.) lebten im nord- und mitteleuropäischen Flachland vorwiegend spezialisierte
Rentierjäger der Stielspitzengruppe, nach einem Fundort bei Hamburg auch
als Ahrensburger Kultur bezeichnet. Ihre Standorte wechselten innerhalb
eines großen Schweifgebietes im jahreszeitlichen Rhythmus, dem Zug der Rentiere
angepasst. Als Behausungen dienten Rundzelte. Stielspitzen, Kratzer, Stichel und
retuschierte Klingen sind charakteristische Steinartefakte dieser letzten altsteinzeitlichen
Kultur. Aus Rengeweih wurden Hacken und Harpunen gefertigt. |
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Aufgrund einzelner Funde
von Stielspitzen an den Herkensteinen und auf der benachbarten Margarethenegge
bei Tecklenburg-Ledde, können hier Jagd- und Rastplätze dieser Rentierjäger angenommen
werden. Über Jahrtausende nutzten Jägergruppen die Herkensteine als
markante Wegmarke, Lagerplatz und "Hochsitz". Die Felsvorsprünge erlauben einen
weit reichenden Blick über die nördlich anschließende, flachere Landschaft und
das frühe Erkennen der Rentierherden am Horizont. | | |
Herkensteine | |
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Regelmäßig im Frühjahr
und Herbst fanden sich die Rentiere zu großen Herden zusammen, um dann weiträumige
Wanderungen zwischen ihren angestammten Winter- und Sommereinständen zu unternehmen.
Dies machten sich die Jäger der Ahrensburger Kultur zu Nutze, indem sie zu genau
diesen Zeiten an bestimmten Engpässen oder auch Flussübergängen die Herden erwarteten
und Rentiere in großer Zahl erlegten. | |  | |
Zeichnung Rentierjagd
- aus dem Buch "Steinzeit selbst erleben" von Friedrich Seeberger |
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Das Fleisch wurde zur
Bevorratung getrocknet und teilweise in Gruben im Dauerfrostboden aufbewahrt.
Die Felle der erlegten Tiere wurden zu Kleidung und zu Zeltwänden verarbeitet.
Magen und Blase ergaben nützliche Beutel und Behälter. Aus den Sehnen und Därmen
stellte man Fäden und Schnüre her. Besonders haltbar mussten die Sehnen der Jagdbogen
und die Fangleinen der Harpunen sein. Aus den Geweihstangen und Knochen wurden
vielfältige Geräte hergestellt. Die Jagderfolge der Männer bildeten die Lebensgrundlage.
Frauen sammelten Beeren, Früchte, Vogeleier, Kleintiere. Die Spezialisierung auf
die Rentierjagd bedingte ihre Lebensweise als Jägernomaden. Einzelfunde
in der heutigen Weststadt (Kratzer aus Flintstein gefunden beim Kindergarten am
Niedersachsenring, IVZ v. 24.7.96) und im Steinbruch Frehe in Bockraden deuten
daraufhin, dass auch hier Rentierjäger durchzogen. Man geht davon aus, dass sich
ihre Winterlager am Mittelgebirgssaum befanden. |
| | Die
Mittelsteinzeit - die Zeit der Jäger, Sammler und Schamanen |
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Die mittlere Steinzeit
(Mesolithikum) reicht in unserem Raum vom endgültigen Ende des Eiszeitalters und
der altsteinzeitlichen Jägerkulturen um 8.000 v.Chr. bis zum Beginn der jungsteinzeitlichen
Bauernkulturen um 3.500 v.Chr. |
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Ab 9.600 v. Chr. erwärmt
sich das Klima beständig. Die Jahresdurchschnittstemperaturen steigen von ursprünglich
nur 2 °C (im Präboreal/Boreal (9.600 - 7.300 v. Chr.) auf 8 °C im Atlantikum (7.300
- 3.800 v. Chr.). Es entsteht die heutige Landschaft und Vegetation mit Haselnuss,
Laub- und Kieferwäldern. Im Bereich des Teutoburger Waldes lebt nun eine Bevölkerung,
die von der Jagd auf große Waldtiere - Elch, Auerochse, Rothirsch, Wildschwein
- auf Wasservögel, vom Fischfang und - zunehmend - vom Sammeln wildwachsender
Pflanzen, Nüsse und Früchten lebt. Man erkennt die regional unterschiedlichen
Kulturgruppen der Waldjäger an den kleinen, geometrisch geformten Steingeräten,
den sog. Mikrolithen, die v.a. als Pfeilspitzen, Widerhaken bei Harpunen und als
Schneideeinsätze hölzerner Speere benutzt wurden. |
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 | Zeichnerische
Rekonstruktionen von Pfeilen und einer Harpune mit eingesetzten 'Mikrolithen'
(Aus M. M. Rind, Kanalarchäologie S. 25, Abb. 8) |
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Über die Siedlungsweise
des Mesolithikums in Nordrhein-Westfalen ist nur wenig bekannt. Die sicherlich
zahlreichen Lagerplätze und Jagdstationen der mesolithischen Jäger dieser Jahrtausende
haben nur wenige Spuren hinterlassen. Da es sich zumeist um Oberflächenfundplätze
ohne tief reichende Befunde handelte, fielen sie der späteren landwirtschaftlichen
Nutzung zum Opfer. Man geht davon aus, dass die Jäger in Gemeinschaften von 20-25
Personen lebten, die ein großes Jagd- und Sammelgebiet beanspruchten und auch
benötigten. Für den gesamten nordwestdeutschen Raum ist daher mit einer Bevölkerung
von nur wenigen Hundert Menschen zu rechnen. | |
 | Bildunterschrift:
Speerspitze aus Feuerstein (Sammlung Stadtmuseum Ibbenbüren) |
Speerspitze aus Feuerstein |
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Bei der mobilen Lebensweise
der mesolithischen Wildbeuter kann von einer Sesshaftigkeit nicht gesprochen werden,
doch gab es für längere Zeit und immer wieder genutzte Wohnplätze, die als Basislager
dienten. Lediglich einer dieser Siedlungsplätze brachte über Steinartefakte hinaus
Erkenntnisse zur Lebensweise der mittelsteinzeitlichen Jägergruppen. Berühmt wurde
dieser Fundplatz im Erfttal bei Bedburg durch die beiden Hirschgeweihmasken, dem
Kopfschmuck prähistorischer Schamanen.
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 | Ähnlich
wie die Schamanen der sibirischen Tungusen im 18. Jahrhundert könnten um
8000 v. Chr. Zauberer im Aatal getanzt haben. |
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Die Masken stammen aus
der Mittelsteinzeit um 8000 v. Chr. Es sind zwei Rothirschgeweihe mit teilweise
anhaftendem Schädeldach. Letzteres weist in beiden Fällen zwei Löcher auf, durch
die ein Lederband oder eine Schnur gezogen werden konnten. Derartiger Kopfschmuck
mit vielleicht noch anhängendem Fell wurde von Schamanen bei ekstatischen Tänzen
getragen, wenn sie Krankheiten vertreiben oder um reiche Jagdbeute bitten wollten.
In der Zeit zwischen 8000 und 4000 v.Chr. haben mittelsteinzeitliche Jägergruppen
immer wieder Plätze "Auf'm Trüssel", in Schierloh und in Bockraden aufgesucht
und Steinabschläge, Pfeilspitzen und Kratzer hinterlassen. Ein fortgeschrittenes
Stadium des Mesolithikums scheint auf den Berglandfundplätzen in Tecklenburg-Ledde
(Herkensteine) vertreten zu sein, deren Inventar sich durch einen großen Anteil
an kleinen Scheibenbeilen auszeichnet. Sie dienten, in Hirschhorn oder Holz geschäftet,
zur Holzbearbeitung. |
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"Ein seltenes Fundstück
der Sammlung des Stadtmuseums ist die kugelige, 560 g schwere Geröllkeule. Der
durchbohrte Keulenkopf war vermutlich auf einen Holzstab aufgesetzt. Eine Datierung
der gut erhaltenen Keule ist schwierig, da Fundort und Fundzeit nicht bekannt
sind und es sich bei den Geröllkeulen um eine Form handelt, die seit dem Mesolithikum
bekannt ist. Die Funktion der Keule ist nicht eindeutig zu klären. Allgemein werden
Keulen als Waffen, Schlaggeräte, Grabstockbeschwerer, Rotiermasse bei Bohrgeräten,
Würdezeichen oder Ritualobjekt angesprochen. Allerdings ist die Schaftbohrung
so eng, dass eine Nutzung als Schlaggegenstand ausgeschlossen werden kann. |
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Vielleicht war sie -- in der Nachfolge der altsteinzeitlichen
Kommandostäbe -- der Zepter eines steinzeitlichen Schamanen oder Häuptlings?"
| Geröllkeule
Sammlung Stadtmuseum Ibbenbüren |
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In der späten Mittelsteinzeit
(Atlantikum, 5.000 - 3.000 v.Chr.) ist das Klima warm-feucht und ozeanisch geprägt.
Durch den weiteren Anstieg des Meeresspiegels wird England zur Insel. Die Ostsee,
zuvor ein Binnensee, bekommt Weltmeerzugang. Im Flussgebiet von Lippe
und Ems lassen sich jetzt zwei Regionalgruppen mit unterschiedlichen Mikrolithenformen
ausmachen, die anscheinend beginnen, ihre Territorien untereinander und gegen
die vordringenden Bauerngruppen zu verteidigen. Während des 4. Jahrtausends v.
Chr. bildete die Lippe eine wichtige Kulturgrenze. Sie trennte die spätmesolithischen,
auf den Sandböden des norddeutschen Tieflands und den Berghängen des Teutoburger
Waldes lebenden Jäger und Sammler von frühen Ackerbauern der Bandkeramischen und
Rössner Kultur, welche die fruchtbaren Lössböden am Südrand der Westfälischen
Bucht in Besitz nahmen. Zwischen diesen beiden, sehr verschiedenen Kulturen scheint
es zunächst nur wenige Kontakte gegeben zu haben. Das Verhältnis der ersten Bauern
zu den jägerischen Ureinwohnern und der Beginn der "Neolithisierung" des Tecklenburger
Landes ist Kern eines aktuellen Forschungsprojekts der LWL-Archäologie für Westfalen
und der Universität Münster. |
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| Die
Jungsteinzeit - die Einführung von Ackerbau und Viehzucht |
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Die erste Ackerbaukultur
bezeichnete man nach der Art der Verzierung ihrer Keramik als Bandkeramiker (5.500
- 4.500 v. Chr.). Sie kamen aus Südosteuropa, zogen entlang der großen Flussläufe
von Donau, Elbe und Rhein und besiedelten die flachen, fruchtbaren Lössbodengebiete,
wie z.B. die Soester und Warburger Börde. Sie lassen sich in unserer Region nicht
nachweisen. Die Einführung von Ackerbau und Viehzucht in das nordwesteuropäische
Tiefland erfolgte etwas später durch jungsteinzeitliche Bauern der Rössner (4.700
- 4.400 v. Chr.) und Michelsberger-Kultur (4.400 - 3.800 v. Chr.). Die bislang
ältesten Belege für ihre Siedlungen im Münsterland finden sich bei Nottuln (Kreis
Coesfeld). Im 4. Jahrtausend setzte auch in unserer Region diese umwälzende
Entwicklung von der aneignenden zur produzierenden Wirtschaft ein, also von dem
die natürlichen Nahrungsvorkommen nutzenden Wildbeutertum zur bäuerlichen Wirtschaft
mit der gezielten Produktion von Nahrungspflanzen und Nutztieren ("Neolithische
Revolution"). |
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Trichterbecher |
Etwa ab 3.500 v.Chr. lässt
sich ein Sesshaftwerden einwandernder Ackerbauern und Hirten der Trichterbecherkultur
in Ibbenbüren und Umland nachweisen. Sie sind die Erbauer der Großsteingräber.
Es sind die ältesten erhaltenen Denkmäler im Tecklenburger Land. Die Trichterbecherleute
waren in Sippen und Stämmen organisiert. Sie säten Weizen und Gerste, hielten
Hund, Rind, Ziege, Schaf und Schwein. Sie besetzten die ertragreicheren Hänge
des Osning (Lehen, Schierloh) und Schafberg (Alstedder Loh). Der Ackerbau war
im Entstehen begriffen und hatte ein noch sehr geringes Niveau. Brandrodungen
kamen selten in Frage, denn man bevorzugte waldfreie, steppenartige Flächen. Die
Jagd spielte neben dem Ackerbau noch eine beträchtliche Rolle. Die bisher in unserem
Gebiet wohnende Jägerbevölkerung wurde langsam, im Verlauf vieler Generationen
assimiliert oder nach Norden abgedrängt. |
 | Die
für die Kultur Namen gebenden Trichterbecher haben ein leicht bauchiges Unterteil
und über der Gefäßschulter ein Oberteil, das wie ein Trichter geformt ist. |
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Heute noch im Gelände
erfahrbare Zeugnisse der Trichterbecher-Kultur stellen einige wenige erhaltene
Großsteingräber dar, so z.B. die Großen Sloopsteene bei Westerkappeln (etwa 3.000
v. Chr.). Der Innenraum der gut erhaltenen Ost-West gerichteten Grabkammer misst
18,5 m x 1,8 m. Mit einer Ausnahme an der Nordseite sind die großen Tragsteine
der Seitenwände - zehn im Norden und dreizehn im Süden - alle noch vorhanden.
Ebenso die elf Decksteine, die sich allerdings nicht mehr in ihrer ursprünglichen
Lage befinden. Auf den ehemaligen Zugang deuten zwei kleinere Tragsteine in der
südlichen Längsseite. Vom Trockenmauerwerk und vom deckenden Erdhügel ist nichts
mehr vorhanden. Funde sind aus dem bereits in alter Zeit durchwühlten Grab nicht
bekannt. |
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Der Bau der Großsteingräber,
der in früheren Zeiten als das Werk von Riesen ("Hünengräber") betrachtet wurde,
ist technisch nicht unbedingt kompliziert gewesen, bedeutete allerdings eine große,
gemeinschaftliche Arbeitsleistung. In der näheren Umgebung liegende, nach Größe
und Form geeignete Findlinge wurden über Holzrollen, vermutlich im Winter bei
gefrorenem Boden, herangeschafft, mit Hebelkraft in vorbereiteten Fundamentgruben
nebeneinander aufgerichtet, so dass die Kammerwände zuerst entstanden. Anschließend
wurden die Decksteine über angeschüttete Erdrampen hochgezogen und auf den Seitenwänden
in die richtige Position gebracht. | |
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Die "Sloopsteene"
auf dem Gabelin, an der Grenze von Westerkappeln und Wersen, sind das größte Megalithgrab
Westfalens. |
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Danach wurden die Lücken
zwischen den Findlingen durch Trockenmauerwerk abgedichtet, ein Eingang angelegt
und das Steingrab mit Erde überhügelt. So entstanden religiöse Monumente die mehr
als fünf Jahrtausende überdauerten und damit älter sind als die großen ägyptischen
Pyramiden. Beim eindrucksvollen Großgrab in Wechte/Tecklenburg handelt es sich
nach Sprockhoff um eine "Westfälische Steinkiste", die nicht zu den Megalithgräbern
gezählt werden könne. Das 1927 freigelegte Grab enthielt etwa 200 Bestattungen
mit ca. 800 Beigefäßen, darunter Tongefäße, Beile aus Feuerstein und Kieselschiefer,
Pfeilspitzen, Knochengeräte und Schmuck. |
 | Die
Reste des Steingrabes mitten in der Bauerschaft Wechte bei Tecklenburg. Die Deckplatten
sind im Laufe der Zeit weggeräumt worden. | |
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Die Beigaben liefern Anhaltspunkte
dafür, dass die Trichterbecherleute an ein Weiterleben im Jenseits glaubten. Mit
der Grablegung waren rituelle, religiöse Handlungen verbunden, von denen u.a.
Feuerstellen zeugen, die vielleicht als Opfer- und Reinigungsfeuer dienten. In
diesem Kontext diskutiert man auch über die Verwendung der Großsteingräber als
Kultstätten im Rahmen eines Ahnenkults. Die Angehörigen der Megalithkultur kannten
die Vorstellung von einer jenseitigen Welt, die hinsichtlich Vielfalt und Differenziertheit
derjenigen der alten Ägypter in nichts nachstand. Den Toten wurden aus festem
Stein "ewige Wohnungen" errichtet, sie wurden mit Speisen, Werkzeug und Gerät
versehen. | |
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Flachbeil - Sammlung Stadtmuseum
Ibbenbüren | Flachbeil |
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Ihr Schicksal in der
jenseitigen Welt war mit dem Lauf der Sonne verknüpft. Die differenzierten Beziehungen
zwischen Totenwelt, Leben im Jenseits, Verhältnis zu den Lebenden, Hoffnung auf
Auferstehung oder Wiedergeburt entsprechen dem Auf- und Untergang der Sonnen sowie
dem jahreszeitlichen Vegetations- und Lebenszyklus. Alljährlich - wahrscheinlich
an bestimmten Tagen - fanden Gedenkfeiern statt, an denen zu Ehren der Ahnen mitgebrachte
Speisen und Getränke verzehrt und geopfert wurden. Ein zweites, heute
nicht mehr erhaltenes Grab, befand sich südwestlich auf dem Hofe Arlemann. Die
Rekonstruktion eines Hügelgrabes befindet sich etwa 500 m westlich von dort.
Aufzeichnungen belegen weitere Megalithgräber in Laggenbeck. 1986 fanden Archäologen
des LWL auf dem Gelände der Gärtnerei Blom am östlichen Rand von Laggenbeck ein
einzelnes Erdgrab. Die etwa 1 x 2 m große und 2 m tiefe Grube hatte Pfosten in
den Ecken und eine Verschalung. Der Boden wurde wahrscheinlich mit einem Tierfell
ausgelegt und darauf der Tote auf die linke Seite gelegt. Nach einiger Zeit wurde
dann das Grab mit Erde bedeckt und mit Holzkohle beschichtet. Wahrscheinlich wurden
auch kleinere Findlinge als "Grabsteine" benutzt. Ein dem Toten beigegebenes
Steinbeil und ein Keramikbecher mit dem typisch weiten Rand und bandartiger Verzierung
belegten seine Zugehörigkeit zur Trichterbecherkultur. Nicht schlüssig erklären
können die Archäologen bisher, warum zeitgleich Großsteingräber und Einzel-Erdgräber
benutzt wurden. Die soziale Stellung der Toten spielte dabei keine Rolle. Die
Trichterbecherkultur hatte als eine der neolithischen Großkulturen eine Verbreitung
von den Niederlanden bis Osteuropa und von Südskandinavien bis Westfalen. |
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Ursprünglich war die Zahl
der Hünengräber in Nordwest-Deutschland wesentlich größer. Der Entwicklung der
Sprengtechnik, mangelndem Sinn für die Bewahrung des Überkommenen, ungenügendem
staatlichem Schutz und den Intensivierungsbestrebungen der Landwirtschaft fielen
in den letzten 150 Jahren etwa 90% der Großsteingräber zum Opfer. Sie wurden zu
Baumaterial zersprengt oder auch umgelegt und vergraben, um die Feldbewirtschaftung
zu erleichtern. Heute sind Bodenkmale gesetzlich geschützt und werden staatlich
überwacht. |
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Das Ende der Trichterbecher-Kultur
wurde in unserer Gegend vermutlich durch einwandernde Gruppen der Schnurkeramik-Kultur
(auch als Streitaxt-Kultur bezeichnet) in der Mitte des 3. vorchristlichen Jahrtausends
verursacht. Die Grabfunde weisen auf eine kriegerische Bevölkerung hin, die ihre
Heimat, so wie es derzeit aussieht, in Osteuropa hatte.
"Den Männern wurden Waffen und Werkzeuge, den Frauen
Schmuck mit ins Grab gelegt. Die Menschen der Einzelgrabkultur waren Viehzüchter
und Bauern. Der Anbau von Emmer und Gerste ist belegt. An
Haustieren wurden Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen |
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Hammeraxt Sammlung
Stadtmuseum Ibbenbüren | gehalten.
Vermutlich war auch das Pferd bereits domestiziert worden. Auch das Rad war bekannt." |
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Sie werden für die Träger
der indoeuropäischen Sprache gehalten. Eine soziale Differenzierung ist bei ihnen
deutlich zu erkennen. Sie sind die letzten Vertreter jungsteinzeitlicher Becherkulturen
(2.400 - 1.700 v. Chr.). In den Jahren 1991 bis 1993 wurden in dem heutigen
Gewerbegebiet "Ibbenbüren Süd" (Auf'm Trüssel) mehrere Grabungskampagnen durchgeführt.
Sie galten einem seit 1928 bekannten Gräberfeld. Als älteste Gräber fanden sich
zwei W-O ausgerichtete Gruben von etwa 2,5 x 1,4 bzw. 2,5 x 1,3 m, die zwei stark
zerdrückte Keramikbecher der späten Jungsteinzeit enthielten. Sie waren mit unterschiedlichen
Mustern verziert. Beide Gräber zeigten keine Grabeinhegung, dürften aber ursprünglich
überhügelt gewesen sein. |
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Ebenfalls aus der Zeit
der endneolithischen Becherkulturen stammt ein Grab am "Alstedder Loh" mit einem
Durchmesser von rund 15 m. Überreste von polierten Werkzeugen und fein bearbeiteter
Flint (Feuerstein) in der Grabumgebung gehören in die gleiche Zeit. Auf dem Schafberg
wurden um 1932 im Bereich einer Quelle 5 Steinbeile aus Kieselschiefer und die
Spitze eines Feuersteindolches ausgepflügt. Einzelne Hammer- und Streitäxte, Schaftrillen-,
Rund- und Rechteck-Beile der ausgehenden Jungsteinzeit wurden auch in den Ortsteilen
Bockraden, Laggenbeck, Lehen, Osterledde und Schierloh gefunden. |
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Die zahlreichen und weit
verteilten Funde belegen eine relativ dichte Besiedlung durch Einzelhöfe und Sippenverbände
im heutigen Stadtgebiet. Es kann davon ausgegangen werden, dass Ibbenbüren zum
Ende der Steinzeit vor etwa 4.000 Jahren räumlich und wirtschaftlich sichtbar
und dauerhaft erschlossen war. |
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| Die
Bronzezeit - die Bevölkerung und Siedlungsdichte nehmen zu |
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Der Übergang von der späten
Jungsteinzeit zur älteren Bronzezeit (ca. 1.700 - 1.200 v. Chr.) verläuft im Raum
Ibbenbüren fließend und ohne merklichen Bruch. Allem Anschein nach kann mit einem
längeren Fortleben der jüngsten Becherkulturen bis weit in die Bronzezeit ausgegangen
werden. Unsere Region verfügt weder über Kupferlagerstätten noch andere bedeutsame
und tauschbare Bodenschätze. Damit sind die Voraussetzungen zu einer spürbaren
und deutlichen Änderung der Wirtschafts- und Sozialstruktur nicht gegeben. Es
ist deshalb auch nicht verwunderlich, dass Stein - wie auch in anderen metallarmen
Gegenden - noch lange der vorherrschende Werkstoff für jede Art von Geräten bleibt,
während in anderen Gebieten längst Kupfer und bald darauf die Legierung Bronze
(90% Kupfer, 10% Zinn) Verwendung finden. |
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Die schon zum Ende der
Jungsteinzeit einsetzende Zunahme der Siedlungs- und Nutzungsfläche setzt sich
in der älteren Bronzezeit fort. Die Hauptquellen für die Bronzezeit Westfalens
sind aber nicht die Siedlungen, sondern die Grabfunde. In der frühen
Bronzezeit wurden offenbar nur die Angehörigen einer Oberschicht individuell unter
großen Grabhügeln aus Steinen, Lehm und Sand bestattet. Grabbeigaben waren Äxte
und Dolche aus Stein, die häufig den Formen von Bronzegeräten nachempfunden waren.
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Steinbeil -
Sammlung Stadtmuseum Ibbenbüren | Steinbeil |
 | Das
im Stadtmuseum ausgestellte Steinbeil zeigt, wie die Steinmetze der damaligen
Zeit die für unsere Bauern unerschwinglichen, in Bronze gegossenen Vorbilder in
nahezu vollendeter Form nachahmten. |
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In die ältere Bronzezeit
gehört eine kreisrunde, doppelreihige Pfostensetzung des Gräberfelds "Auf'm Trüssel"
von etwa 12 m im Durchmesser. Im Innenraum ließ sich noch eine rechteckige, W-O
ausgerichtete Grabgrube erkennen, Funde waren jedoch nicht enthalten. Eine
Besonderheit ist die Wallburg auf dem Schweinskopf oberhalb von Brochterbeck.
Im 17. Jh. v. Chr. errichtet man hier eine Befestigung auf einem Bergsporn, vermutlich
um den Passübergang des Teutoburger Waldes zu kontrollieren. Grabungen haben erkennen
lassen, dass die Erdwälle dieser Anlage am Südhang des Bergkegels ursprünglich
von hohen Palisadenpfosten gestützt wurden. Am nördlichen Hang, abgeschirmt durch
das vormals sumpfige Bocketal, sind zwei mit aufgeschichteten Steinmauern umgebene
Vierecke zu erkennen, die wahrscheinlich auch als Schutzplätze für die Viehherden
dienten. |
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Mit der mittleren Bronzezeit
beginnen sich die Bestattungssitten zu ändern. In Westfalen tauchen neben den
Körpergräbern erste Brandbestattungen auf. Holzsärge oder eigens aus Eichenbohlen
gezimmerte "Totenhütten" wurden verbrannt und unter einem Grabhügel beerdigt.
Mit der jüngeren Bronzezeit finden sich größere Gräberfelder, auf denen die Toten
dann grundsätzlich verbrannt bestattet wurden. So auch auf den jungbronzezeitlichen
Urnenfriedhöfen im Stadtgebiet. Der Verstorbene wurde verbrannt, der Leichenbrand
anschließend vom Scheiterhaufen abgelesen und in eine Urne gefüllt, die häufig
mit einer Schale bedeckt wurde. Anfangs bedeckten das Grab noch flache kleine
Grabhügel, später sind Flachgräber die Regel. Tierknochen oder organische Rückstände
z.B. von Fladenbrot und breiartigen Speisen in den Beigefäßen zeigen, dass den
Toten Speisen mit auf den Weg gegeben wurden. Die großen Urnenfriedhöfe aus
der jüngeren Bronzezeit und der älteren Vorrömischen Eisenzeit liegen im Naturraum
der Ibbenbürener Senke, jeweils an den trockenen Rändern der Aa-Aue auf beiden
Seiten des Baches. Die Bäche, Flüsse und Seen lieferten Fisch. Die Aue konnte
als Grünland genutzt werden. An den Hochwasser geschützten Unterhängen des Osnings
und der Schafbergplatte kam es durch die Verwitterung des anstehenden Gesteins
und durch die Überwehung mit Löß zur Bildung von tiefgründigen Braunerden und
Parabraunerden. Diese konnten nach der Rodung des Waldes ackerbaulich genutzt
werden. Dort siedelten sich die Menschen an und begruben ihre Toten. |
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Etwa 90 Brandgräber, die
"Auf'm Trüssel" erfasst wurden, fallen in die jüngere Bronze-/ältere Vorrömische
Eisenzeit. Kreisrunde Einhegungsgräben mit einem Durchmesser bis zu 7 m, elf
schlüssellochförmige Anlagen bis zu 18 m lang und 8,5 m breit sowie sechs Langbetten,
von denen das größte eine Länge von 32 m und eine Breite von 7 m aufwies. Die
Gräber wurden äußerlich durch Hügel, umgeben von Kreis- oder Schlüssellochgräbern
kenntlich gemacht. Letztere sind gerade für Westfalen und das südwestliche Niedersachsen
(Ems-Gruppe) charakteristisch. |  |
Vasenkopfnadel, Pinzette
und Rasiermesser aus dem Urnengrab F 472 | Quelle:
850 Jahre Ibbenbüren, Jürgen Gaffrey, Der Brandgräberfriedhof "Auf'm
Trüssel" in Ibbenbüren, Seite 360, Abb. 11, |
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Bronzebeigaben sind, wie
auf anderen Urnenfriedhöfen Westfalens, selten. Immerhin liegen aber einige interessante
Einzelstücke vor: zwei Vasenkopfnadeln mit gekrümmtem Schaft, eine schlanke unverzierte
Pinzette, zwei nordische Rasiermesser und -äußerst selten - ein Angelhaken. Auch
konnten in einigen Bestattungen Brotreste nachgewiesen werden. Unmittelbar
südöstlich des Gräberfelds konnte eine Siedlung belegt werden. Neben Gruben mit
Eisenschlacken, die aus der Verhüttung von Raseneisenstein stammen, konnten die
Grundrisse mehrerer Speicher mit 4 oder 6 Pfosten erfasst werden. Nicht
weit hiervon entfernt in der Umgebung des Hofes Mutert (Ibb.-Lehen) war bereits
1974, beim Bau der Autobahn A 30, ein großes Gräberfeld mit Urnen gefunden worden. |
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Das Gebiet der jetzigen
Siedlung "Alstedder Loh" ist seit langem als urgeschichtlicher Friedhof bekannt,
der an einem alten O-W Handelsweg (der jetzigen Ledder Straße) lag. Erste vermerkte
Urnenfunde wurden um 1830 gemacht. In den Jahren 1998/99 führte das Westfälische
Museum für Archäologie in Münster großflächige Ausgrabungen durch. Auf einer Fläche
von 6300 qm wurden über 60 Brandgräber aus der Zeit 750 - 500 v. Chr. gefunden.
Der Leichenbrand (ca. 1,6 - 2,0 kg bei einem Erwachsenen) wurde sorgsam aus der
Asche ausgelesen, gewaschen und in einem Tongefäß als Urne (Urnengrab) oder einem
Tuch (sog. Leichenbrandnest) beigesetzt. |
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Zusätzlich wurden die
Urnen häufig mit einem Stein oder einer umgedrehten Schale abgedeckt und mit Grabbeigaben
- Speisebeigaben, bronzene Pinzetten oder Rasiermesser - ausgestattet. Die anschließend
überhügelten, bis zu 9 m langen Grabstellen hatten die Form eines Schlüssellochs.
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Wortgeschichtlich betrachtet
leitet sich Alstedde von Alahstat bzw. Elstedi her. Beides bedeutet "geheiligter
Ort" und deutet auf einen Friedhof mit Kultplatz hin. Unter Loh wird ein Gehölz
oder Gebüsch verstanden. Der nahe gelegene Ibbenbürener Hauptfriedhof setzt diese
Tradition fort. Ein weiteres, relativ dicht besiedeltes Gebiet lag auf dem Dickenberg.
In den 1920er/30er Jahren konnten vom Heimatforscher R. Dolle noch einige hundert
Grabhügel kartiert werden. Als Anfang 1987 eine aktuelle Bestandsaufnahme durchgeführt
wurde ergab sich ein Restbestand von 78 obertägig erhaltenen Hügelgräbern. |
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Grabhügel am Windmühlenweg |
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Soweit erkennbar haben
alle Grabhügel einen Kern aus aufgeschichteten Steinen, der mit Erde überdeckt
wurde. Nach formalen Kriterien dürften die kleineren Hügel der jüngeren Bronze-/älteren
Vorrömischen Eisenzeit, einige größere Anlagen der späten Jungsteinzeit / frühen
Bronzezeit zuzurechnen sein. Aufgrund der dichten Fundlage können die
etwa 1.700 Jahre von den endneolithischen Becherkulturen bis zum Ende der Bronzezeit
als eine erste Blütezeit Ibbenbürens betrachtet werden. Danach werden
archäologische Zeugnisse rar. In den etwa 1.200 Jahren von der vorrömischen Eisenzeit
(ab 700 v. Chr.), der römischen Kaiserzeit (0 - 350 n. Chr.) und der Zeit der
Völkerwanderung (350 - 500 n. Chr.) erfolgt ein erheblicher Bevölkerungsrückgang
in unserem Gebiet. Ob die Urbevölkerung ganz oder teilweise, z.B. aufgrund klimatischer
Verschlechterungen, abwanderte und die ab 250 n.Chr. von Nordosten einwandernden
Sachsen einen Leerraum in Besitz nahmen oder zwischen einer ansässigen Bevölkerung
siedelten und sich nach und nach mit dieser vermischten, bleibt vorerst ungeklärt.
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 | Fotos:
Albert Recknagel, Brigitte Striehn |
| | J. Gaffrey, Der Brandgräberfriedhof "Auf´m
Trüssel" in Ibbenbüren. In: J. Bröker (Red.), 850 Jahre Ibbenbüren. Porträt einer
Stadt in Text und Bild. Ibbenbürener Stud. 3 (Ibbenbüren 1996) 339-352.
Horn, Heinz Günter (Hrsg.): Neandertaler + Co. Eiszeitjägern auf der Spur - Streifzüge
durch die Urgeschichte Nordrhein-Westfalens, Mainz 2006 Kastner, Hugo:
Geografische Namen und ihre Herkunft, 2007 Landschaftsverband Westfalen-Lippe
(LWL): Ausgrabungen und Funde in Westfalen-Lippe, Jg.7 (1992) und Jg. 10 (2007)
Niederhöfer, Kai: Urgeschichte Westfalens, (www.lwl.org/westfaelische-geschichte/..)
Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz (Hrsg.): Führer zu vor- und frühgeschichtlichen
Denkmälern, Band 45 (Münster, Westliches Münsterland, Tecklenburg), Teil 1: Einführende
Aufsätze, Mainz 1980 Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz (Hrsg.):
Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern, Band 46 (Münster, Westliches
Münsterland, Tecklenburg), Teil 2: Exkursionen, Mainz 1981 Steinmetz,
Wolf-Dieter: Archäologie des niedersächsischen Bergvorlandes, in: Archäologie-Land-Niedersachsen,
Begleitschrift zur Ausstellung, Oldenburg 2005 Staatliches Museum für
Naturkunde und Vorgeschichte Oldenburg: Wohin die Toten gehen. Kult und Religion
in der Steinzeit, Oldenburg 2000 Westfälisches Museum für Archäologie:
Neujahrsgruss, Ausgaben 2000 - 2007, (das ist der Jahresbericht der Münsteraner
Archäologen) |
| Foto oben (Blick auf Ibbenbüren mit Nike und
Textilfabrik Többen - 1922) Sammlung Rohlmann |
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© Förderverein Stadtmuseum Ibbenbüren e. V.
Breite Straße 9 - 49477 Ibbenbüren |
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