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Blick auf Ibbenbüren mit Nike und Textilfabrik Többen - 1922
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spacer Stadtmuseum Ibbenbüren - Stadtgeschichte

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Stadtmuseum Ibbenbüren




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10.000 Jahre Ibbenbüren - Ein Ausflug in die Vor- und Frühgeschichte - Teil 1 - Von Albert Recknagel



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(Einleitung) Ibbenbüren hatte schon lange vor der ersten schriftlichen Erwähnung Bewohner. Die Existenz von Frühmenschen wie dem Homo Erectus und dem Neandertaler ist in Ibbenbüren und Umgebung (bislang) nicht belegt. Da aber sowohl weiter nordöstlich als auch südlich Werkzeuge und Knochenreste gefunden wurden und in unserer näheren Umgebung markante, weithin sichtbare und Schutz gebende Felsformationen vorkommen, kann man davon ausgehen, dass beide Frühmenschen auch unseren Raum durchstreiften.

Als vor etwa 17.000 Jahren die letzte Eiszeit zu Ende ging, lag die durchschnittliche Jahrestemperatur in Ibbenbüren noch unter 0° C, so wie heute in Sibirien. In den nachfolgenden Jahrtausenden erwärmte sich das Klima jedoch beständig, auch wenn es zwischendurch immer wieder zu Kälteperioden kam.



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In und um Ibbenbüren kann anhand von fünf bedeutenden Fundplätzen und den dort gefundenen Artefakten die menschliche Besiedlung und kulturelle Entwicklung belegt und nachgezeichnet werden:

1. Die Zelt- und Jagdplätze der Federmesser-Kultur (11.800 - 10.700 v. Chr.) an der Düsterdiecker Niederung/Westerkappeln.

2. Die Herkensteine bei Tecklenburg, ein "Hochsitz" der Rentierjäger der Ahrensburger Kultur (10.700 -9.600 v. Chr.) und nachfolgender Jäger und Sammler der mittleren Steinzeit (9.600 - 5.000 v. Chr.).

3. Die Großen Sloopsteene bei Westerkappeln - das größte Megalithgrab Westfalens - und das "Hünengrab" in Wechte als Zeugnisse der Trichterbecher-Kultur (3.500 - 2.000 v. Chr.), der ersten Ackerbauern in unserer Region.

4. Im heutigen Gewerbegebiet "Auf dem Trüssel" wurden bei Ausgrabungen zahlreiche Funde aus der Zeit der endneolithischen Becherkulturen (2.400 - 1.700 v. Chr.) und Bronzezeit (1.700 - 600 v. Chr.) gemacht. Die weiter südlich, am Schnittpunkt mit dem Hermannsweg liegenden, ausgeschilderten Hügelgräber gehören ebenfalls in diese Zeit.

5. Die Wallburg auf dem Schweinskopf, oberhalb des Bocketals bei Brochterbeck, ist die bislang einzige bronzezeitliche Befestigung Westfalens (17. Jh. v. Chr.).

Im Stadtmuseum befinden sich (ab 2009) ausgestellte Fundstücke und weitergehende Beschreibungen aus diesen vorgeschichtlichen Kulturen.




Die naturräumliche Lage
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Um die Bewegungen und Standorte der steinzeitlichen Jäger- und Bauernkulturen zu verstehen, ist ein Blick auf die Geographie Ibbenbürens hilfreich.

Im Gebiet der Stadt Ibbenbüren stoßen mit dem nordwestdeutschen Tiefland und dem nordwestdeutschen Mittelgebirge zwei naturräumliche Großlandschaften aneinander. Ibbenbüren wird geprägt durch den steilen Kamm des Teutoburger Waldes (Dörenther Osning) und die Schafbergplatte, die bei Osterledde die Höhe von 174 m erreicht. Im nördlichsten Ortsteil Nieder-Bockraden senkt es sich bis 35 - 40 m und erreicht die Ausläufer der Feucht- und Moorgebiete des nordwestdeutschen Tieflands. Zwischen Schafbergplatte und dem Teutoburger Wald liegt die 3 - 5 km breite Ibbenbürener Senke, in der die Ibbenbürener Aa verläuft. Das Aa-Tal ist naturräumlich betrachtet ein Mittelgebirgstal, welches nach Nordwesten in die Norddeutsche Tiefebene mit ihren großen unwegsamen Moorgebieten hineinragte.


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Die Ibbenbürener Senke öffnet sich nach Westen zur Ems hin. Der Teutoburger Wald wird vom Bocketal und bei Dörenthe von zwei Quertälern (Pässen) durchbrochen. Im Süden (Dörenthe) reicht das Gemeindegebiet in die Ausläufer der flachen Parklandschaft des Münsterlands hinein. In der herausgehobenen ca. 70 km² großen Ibbenbürener Karbonscholle (Schafbergplatte mit Dickenberg) stehen die Steinkohlenflöze oberflächennah an.

Mit Eisenerz, Sandstein und Schieferton kommen im Bereich der Schafbergplatte weitere Bodenschätze vor. Überwiegend ertragsreiche Braunerden bedecken die Schafbergplatte; an den nördlichen und südlichen Hangfüßen kommen z. T. großflächige Plaggeneschböden vor.

Tab 1: Naturräume auf dem Gemeindegebiet Ibbenbürens.
(Entwurf: G. BERKEMEIER ; Datengrundlage Abb. 92: MEISEL 1961)

Tab 1: Naturräume auf dem Gemeindegebiet Ibbenbürens.  (Entwurf: G. BERKEMEIER ; Datengrundlage Abb. 92: MEISEL 1961)


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Bis etwa 1860 gab es noch einen wasserreichen Nebenfluss, die Plane, die vom Schafberg kommend östlich parallel der Osnabrücker Straße (B 219) verlief und nahe dem ehemaligen Gut Langewiese in die Ibbenbürener Aa mündete.

Die abwechslungsreiche geologische Gliederung erlaubte unterschiedliche Mikroklimata, die dank ausreichender Wasservorkommen zu einer Vielfalt an pflanzlicher und tierischer Natur führten und unsere Region für Jäger und Sammler attraktiv machte.




Die Altsteinzeit - vom Neandertaler zum Homo sapiens
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Die frühe Anwesenheit von Jägern und Sammlern im Raum Ibbenbüren ist von daher sehr wahrscheinlich. Sowohl der nordwestliche Fuß der Schafbergplatte als auch das südliche Vorland des Teutoburger Waldes könnten bevorzugte Aufenthaltsorte von Großtierjägern gewesen sein: Im Norden breiteten sich große Moorgebiete aus, im Süden lag eine feuchte Niederung der westfälischen Bucht. Insbesondere feuchte, versumpfte Bereiche stellten eine nahezu unüberwindbare Barriere dar. Die angrenzenden trockenen Bereiche der Gebirgsfüße wurden wahrscheinlich zu Hauptwanderwegen von Menschen und Tieren. Im Münsterländer Teil des flachen Gebirgsrückens des Osning finden sich zahlreiche alt- und mittelsteinzeitliche Fundplätze. Sandsteinklippen bilden z.T. Felsdächer (sog. Abris), die zu allen Zeiten der Urgeschichte als Rastplätze besucht worden sind.

Die ältesten bisher bekannten Funde aus der Westfälischen Tieflandsbucht - Steingeräte und Reste der Jagdbeute des Neandertalers - reichen mindestens bis zum Beginn der letzten Kaltzeit (Weichsel-Eiszeit) vor 115.000 Jahren zurück. Der älteste direkte Beleg urgeschichtlicher Menschen in Westfalen ist das Schädelfragment eines Neandertalers aus Warendorf. Dieser erste (bekannte) Westfale lebte vor rund 80.000 Jahren. Seine Lebensgrundlage in den baumarmen Tundren- und Steppenlandschaften dieser Zeit war Großwild, vorwiegend Mammut, Wollnashorn, Ren und Pferd. Ergänzt wurde die Ernährung durch das Sammeln von Beeren, Nüssen und Wurzeln. Konkurrenz bekam er jüngst durch den Fund fossiler Knochenreste und Steingeräte in einer Sandgrube in Coesfeld-Stevede. Sie wurden auf 119.700 +/- 8600 Jahre datiert, also etwa zu Ende der Eem-Warmzeit bzw. Beginn der Weichsel-Kaltzeit.

Erst gegen Ende der letzten Eiszeit, dem Weichselglazial, traten in Nordwestdeutschland wieder Jägerkulturen auf. Dank der Klimabesserung, die in mehreren lang dauernden Schwankungen von Warm- und Kaltphasen um 15.000 v. Chr. einsetzte, begann im Spätpaläolithikum die neuerliche Durchstreifung Westfalens und des norddeutschen Tieflands. Diesmal durch unsere direkten Vorfahren Homo sapiens. Sein bisher ältester Nachweis in Westfalen, das Schädeloberteil eines etwa 35-jährigen Mannes, stammt aus der Blatterhöhle bei Hagen und ist 10.700 Jahre alt.


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Der anatomisch moderne Mensch tritt in Mitteleuropa erstmals vor etwa 35.000 Jahren auf. Er scheint sehr innovativ gewesen zu sein, denn er verbesserte die Zweckmäßigkeit der Waffen und Geräte erheblich. Höhlenmalereien und Figuren aus Elfenbein und Stein sind erste Zeugnisse menschlicher Kunst. Berühmt sind die südfranzösischen und nordspanischen Bildhöhlen (z.B. Lascaux, Chauvet, Altamira) und die Elfenbeinfiguren aus den Höhlen der schwäbischen Alb (z.B. Hohlefels- und Vogelherd-Höhle). Vergleichbare Kunstwerke fehlen in Westfalen. Lediglich ein Tonschiefergeröll aus der Balver Höhle (Märkischer Kreis) trägt (vermutlich) die Gravierung eines Pferdekopfes. In der Mittelrheingegend um Gönnersdorf und Andernach sind dagegen zahlreiche Kleinkunstwerke gefunden worden.

Durch den grundlegenden Klimawandel zu Ende der letzten Eiszeit stand der Mensch einer drastisch veränderten Umwelt gegenüber. Während der wärmeren Allerödzeit (ca. 11.800 - 10.700 v. Chr. in Westfalen) zogen erstmals nachweisbar Jäger der sog. Federmesser-Gruppe durch die hiesige, baum- und wildreiche Landschaft mit Birken- und Kiefernwäldern. In der Düsterdieker Niederung (Westerkappeln) trennt ein lang gestreckter Dünenzug zwei ausgedehnte Moorgebiete. Auf dieser flachen und trockenen Anhöhe sind zahlreiche steinzeitliche Fundstellen bekannt, darunter eine Reihe von gut erhaltenen Rast- und Wohnplätzen. An einer Stelle gelang es, die Standspuren von kleinen ovalen Hütten zu erfassen. Die Jäger der Federmesser-Kultur jagten Rothirsch, Wildschwein, Elch und Biber. Neben Speer und Speerschleuder benutzten die Waldjäger jetzt auch Pfeil und Bogen. Die Pfeile hatten fein bearbeitete Steinspitzen in Form einer Feder.



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Federmesser - aus dem Buch "Rentierjäger  der Späteiszeit" von Gernot Trommnau

Neben der Jagd auf Standwild gewannen Fischfang und das Sammeln von pflanzlicher Nahrung an Bedeutung. Die Wälder boten ein großes Angebot an essbaren Pflanzen und Pilzen. Besonders die Haselnuss stellte eine wichtige Nahrungsquelle dar.
Einzelne Personen müssen weit herumgekommen sein, wie von weither mitgebrachte Gesteinsrohmaterialien zeigen. .

 
Federmesser - aus dem Buch "Rentierjäger
der Späteiszeit" von Gernot Tromnau
 

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Als im Frühsommer 10.966 v. Chr. der Laacher-See-Vulkan in der Eifel ausbrach, wurde alles Leben im Umkreis von mehreren Hundert Kilometern vernichtet. Ob es in unserem Gebiet Überlebende gab, lässt sich aus Mangel an datierten Inventaren und Überresten nicht sagen. Kaum 300 Jahre nach dem großen Vulkanausbruch ereignet sich eine neue Naturkatastrophe: das schnelle Abschmelzen des nordamerikanischen Inlandeises führte dem Atlantischen Ozean große Mengen Süßwasser zu, senkte die Wassertemperatur und führte zu einer 1000-jährigen Abkühlung auf der nördlichen Halbkugel. Die Nadelwaldzone verschwindet und die Rentiere, die in unseren Breiten längst ausgestorben waren, wanderten aus ihren Rückzugsgebieten im Norden und Osten Europas wieder zurück bis an den Rand der nördlichen Mittelgebirgszone. Nordrhein-Westfalen gehörte nun wieder in die Zone der kaltzeitlichen Tundren- und Steppenlandschaft, während Süddeutschland weiter bewaldet blieb.

Während dieser sog. Jüngeren Tundrenzeit (10.700 - 9.600 v. Chr.) lebten im nord- und mitteleuropäischen Flachland vorwiegend spezialisierte Rentierjäger der Stielspitzengruppe, nach einem Fundort bei Hamburg auch als Ahrensburger Kultur bezeichnet. Ihre Standorte wechselten innerhalb eines großen Schweifgebietes im jahreszeitlichen Rhythmus, dem Zug der Rentiere angepasst. Als Behausungen dienten Rundzelte. Stielspitzen, Kratzer, Stichel und retuschierte Klingen sind charakteristische Steinartefakte dieser letzten altsteinzeitlichen Kultur. Aus Rengeweih wurden Hacken und Harpunen gefertigt.


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Herkensteine

Aufgrund einzelner Funde von Stielspitzen an den Herkensteinen und auf der benachbarten Margarethenegge bei Tecklenburg-Ledde, können hier Jagd- und Rastplätze dieser Rentierjäger angenommen werden.

Über Jahrtausende nutzten Jägergruppen die Herkensteine als markante Wegmarke, Lagerplatz und "Hochsitz". Die Felsvorsprünge erlauben einen weit reichenden Blick über die nördlich anschließende, flachere Landschaft und das frühe Erkennen der Rentierherden am Horizont.

 
Herkensteine
 


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Regelmäßig im Frühjahr und Herbst fanden sich die Rentiere zu großen Herden zusammen, um dann weiträumige Wanderungen zwischen ihren angestammten Winter- und Sommereinständen zu unternehmen. Dies machten sich die Jäger der Ahrensburger Kultur zu Nutze, indem sie zu genau diesen Zeiten an bestimmten Engpässen oder auch Flussübergängen die Herden erwarteten und Rentiere in großer Zahl erlegten.

Zeichnung Rentierjagd - aus dem Buch "Steinzeit  selbst erleben" von Friedrich Seeberger

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Zeichnung Rentierjagd - aus dem Buch "Steinzeit
selbst erleben" von Friedrich Seeberger

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Das Fleisch wurde zur Bevorratung getrocknet und teilweise in Gruben im Dauerfrostboden aufbewahrt. Die Felle der erlegten Tiere wurden zu Kleidung und zu Zeltwänden verarbeitet. Magen und Blase ergaben nützliche Beutel und Behälter. Aus den Sehnen und Därmen stellte man Fäden und Schnüre her. Besonders haltbar mussten die Sehnen der Jagdbogen und die Fangleinen der Harpunen sein. Aus den Geweihstangen und Knochen wurden vielfältige Geräte hergestellt. Die Jagderfolge der Männer bildeten die Lebensgrundlage. Frauen sammelten Beeren, Früchte, Vogeleier, Kleintiere. Die Spezialisierung auf die Rentierjagd bedingte ihre Lebensweise als Jägernomaden.

Einzelfunde in der heutigen Weststadt (Kratzer aus Flintstein gefunden beim Kindergarten am Niedersachsenring, IVZ v. 24.7.96) und im Steinbruch Frehe in Bockraden deuten daraufhin, dass auch hier Rentierjäger durchzogen. Man geht davon aus, dass sich ihre Winterlager am Mittelgebirgssaum befanden.




Die Mittelsteinzeit - die Zeit der Jäger, Sammler und Schamanen
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Die mittlere Steinzeit (Mesolithikum) reicht in unserem Raum vom endgültigen Ende des Eiszeitalters und der altsteinzeitlichen Jägerkulturen um 8.000 v.Chr. bis zum Beginn der jungsteinzeitlichen Bauernkulturen um 3.500 v.Chr.


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Ab 9.600 v. Chr. erwärmt sich das Klima beständig. Die Jahresdurchschnittstemperaturen steigen von ursprünglich nur 2 °C (im Präboreal/Boreal (9.600 - 7.300 v. Chr.) auf 8 °C im Atlantikum (7.300 - 3.800 v. Chr.). Es entsteht die heutige Landschaft und Vegetation mit Haselnuss, Laub- und Kieferwäldern. Im Bereich des Teutoburger Waldes lebt nun eine Bevölkerung, die von der Jagd auf große Waldtiere - Elch, Auerochse, Rothirsch, Wildschwein - auf Wasservögel, vom Fischfang und - zunehmend - vom Sammeln wildwachsender Pflanzen, Nüsse und Früchten lebt.

Man erkennt die regional unterschiedlichen Kulturgruppen der Waldjäger an den kleinen, geometrisch geformten Steingeräten, den sog. Mikrolithen, die v.a. als Pfeilspitzen, Widerhaken bei Harpunen und als Schneideeinsätze hölzerner Speere benutzt wurden.

Zeichnerische Rekonstruktionen von Pfeilen und einer Harpune mit eingesetzten 'Mikrolithen' (Aus M. M. Rind, Kanalarchäologie S. 25, Abb. 8)

spacerZeichnerische Rekonstruktionen von Pfeilen und einer Harpune mit eingesetzten 'Mikrolithen' (Aus M. M. Rind, Kanalarchäologie S. 25, Abb. 8)


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Über die Siedlungsweise des Mesolithikums in Nordrhein-Westfalen ist nur wenig bekannt. Die sicherlich zahlreichen Lagerplätze und Jagdstationen der mesolithischen Jäger dieser Jahrtausende haben nur wenige Spuren hinterlassen. Da es sich zumeist um Oberflächenfundplätze ohne tief reichende Befunde handelte, fielen sie der späteren landwirtschaftlichen Nutzung zum Opfer. Man geht davon aus, dass die Jäger in Gemeinschaften von 20-25 Personen lebten, die ein großes Jagd- und Sammelgebiet beanspruchten und auch benötigten. Für den gesamten nordwestdeutschen Raum ist daher mit einer Bevölkerung von nur wenigen Hundert Menschen zu rechnen.

spacerBildunterschrift: Speerspitze aus Feuerstein (Sammlung Stadtmuseum Ibbenbüren)
Speerspitze aus Feuerstein


spacerÄhnlich wie die Schamanen der sibirischen Tungusen im 18. Jahrhundert tanzten um 8000 v. Chr. Zauberer im Erfttal in Nordrhein-Westfalen


Bei der mobilen Lebensweise der mesolithischen Wildbeuter kann von einer Sesshaftigkeit nicht gesprochen werden, doch gab es für längere Zeit und immer wieder genutzte Wohnplätze, die als Basislager dienten. Lediglich einer dieser Siedlungsplätze brachte über Steinartefakte hinaus Erkenntnisse zur Lebensweise der mittelsteinzeitlichen Jägergruppen. Berühmt wurde dieser Fundplatz im Erfttal bei Bedburg durch die beiden Hirschgeweihmasken, dem Kopfschmuck prähistorischer Schamanen.


spacerÄhnlich wie die Schamanen der sibirischen Tungusen im 18. Jahrhundert könnten um 8000 v. Chr. Zauberer im Aatal getanzt haben.

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Die Masken stammen aus der Mittelsteinzeit um 8000 v. Chr. Es sind zwei Rothirschgeweihe mit teilweise anhaftendem Schädeldach. Letzteres weist in beiden Fällen zwei Löcher auf, durch die ein Lederband oder eine Schnur gezogen werden konnten. Derartiger Kopfschmuck mit vielleicht noch anhängendem Fell wurde von Schamanen bei ekstatischen Tänzen getragen, wenn sie Krankheiten vertreiben oder um reiche Jagdbeute bitten wollten.

In der Zeit zwischen 8000 und 4000 v.Chr. haben mittelsteinzeitliche Jägergruppen immer wieder Plätze "Auf'm Trüssel", in Schierloh und in Bockraden aufgesucht und Steinabschläge, Pfeilspitzen und Kratzer hinterlassen.
Ein fortgeschrittenes Stadium des Mesolithikums scheint auf den Berglandfundplätzen in Tecklenburg-Ledde (Herkensteine) vertreten zu sein, deren Inventar sich durch einen großen Anteil an kleinen Scheibenbeilen auszeichnet. Sie dienten, in Hirschhorn oder Holz geschäftet, zur Holzbearbeitung.



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"Ein seltenes Fundstück der Sammlung des Stadtmuseums ist die kugelige, 560 g schwere Geröllkeule. Der durchbohrte Keulenkopf war vermutlich auf einen Holzstab aufgesetzt. Eine Datierung der gut erhaltenen Keule ist schwierig, da Fundort und Fundzeit nicht bekannt sind und es sich bei den Geröllkeulen um eine Form handelt, die seit dem Mesolithikum bekannt ist. Die Funktion der Keule ist nicht eindeutig zu klären. Allgemein werden Keulen als Waffen, Schlaggeräte, Grabstockbeschwerer, Rotiermasse bei Bohrgeräten, Würdezeichen oder Ritualobjekt angesprochen. Allerdings ist die Schaftbohrung so eng, dass eine Nutzung als Schlaggegenstand ausgeschlossen werden kann.

Geröllkeule
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Vielleicht war sie -- in der Nachfolge der altsteinzeitlichen Kommandostäbe -- der Zepter eines steinzeitlichen Schamanen oder Häuptlings?"
Geröllkeule
Sammlung Stadtmuseum Ibbenbüren


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In der späten Mittelsteinzeit (Atlantikum, 5.000 - 3.000 v.Chr.) ist das Klima warm-feucht und ozeanisch geprägt. Durch den weiteren Anstieg des Meeresspiegels wird England zur Insel. Die Ostsee, zuvor ein Binnensee, bekommt Weltmeerzugang.

Im Flussgebiet von Lippe und Ems lassen sich jetzt zwei Regionalgruppen mit unterschiedlichen Mikrolithenformen ausmachen, die anscheinend beginnen, ihre Territorien untereinander und gegen die vordringenden Bauerngruppen zu verteidigen. Während des 4. Jahrtausends v. Chr. bildete die Lippe eine wichtige Kulturgrenze. Sie trennte die spätmesolithischen, auf den Sandböden des norddeutschen Tieflands und den Berghängen des Teutoburger Waldes lebenden Jäger und Sammler von frühen Ackerbauern der Bandkeramischen und Rössner Kultur, welche die fruchtbaren Lössböden am Südrand der Westfälischen Bucht in Besitz nahmen. Zwischen diesen beiden, sehr verschiedenen Kulturen scheint es zunächst nur wenige Kontakte gegeben zu haben. Das Verhältnis der ersten Bauern zu den jägerischen Ureinwohnern und der Beginn der "Neolithisierung" des Tecklenburger Landes ist Kern eines aktuellen Forschungsprojekts der LWL-Archäologie für Westfalen und der Universität Münster.




Die Jungsteinzeit - die Einführung von Ackerbau und Viehzucht
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Die erste Ackerbaukultur bezeichnete man nach der Art der Verzierung ihrer Keramik als Bandkeramiker (5.500 - 4.500 v. Chr.). Sie kamen aus Südosteuropa, zogen entlang der großen Flussläufe von Donau, Elbe und Rhein und besiedelten die flachen, fruchtbaren Lössbodengebiete, wie z.B. die Soester und Warburger Börde. Sie lassen sich in unserer Region nicht nachweisen.

Die Einführung von Ackerbau und Viehzucht in das nordwesteuropäische Tiefland erfolgte etwas später durch jungsteinzeitliche Bauern der Rössner (4.700 - 4.400 v. Chr.) und Michelsberger-Kultur (4.400 - 3.800 v. Chr.). Die bislang ältesten Belege für ihre Siedlungen im Münsterland finden sich bei Nottuln (Kreis Coesfeld).

Im 4. Jahrtausend setzte auch in unserer Region diese umwälzende Entwicklung von der aneignenden zur produzierenden Wirtschaft ein, also von dem die natürlichen Nahrungsvorkommen nutzenden Wildbeutertum zur bäuerlichen Wirtschaft mit der gezielten Produktion von Nahrungspflanzen und Nutztieren ("Neolithische Revolution").


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Trichterbecher
Trichterbecher

Etwa ab 3.500 v.Chr. lässt sich ein Sesshaftwerden einwandernder Ackerbauern und Hirten der Trichterbecherkultur in Ibbenbüren und Umland nachweisen. Sie sind die Erbauer der Großsteingräber. Es sind die ältesten erhaltenen Denkmäler im Tecklenburger Land. Die Trichterbecherleute waren in Sippen und Stämmen organisiert. Sie säten Weizen und Gerste, hielten Hund, Rind, Ziege, Schaf und Schwein.
Sie besetzten die ertragreicheren Hänge des Osning (Lehen, Schierloh) und Schafberg (Alstedder Loh). Der Ackerbau war im Entstehen begriffen und hatte ein noch sehr geringes Niveau. Brandrodungen kamen selten in Frage, denn man bevorzugte waldfreie, steppenartige Flächen. Die Jagd spielte neben dem Ackerbau noch eine beträchtliche Rolle. Die bisher in unserem Gebiet wohnende Jägerbevölkerung wurde langsam, im Verlauf vieler Generationen assimiliert oder nach Norden abgedrängt.


spacerDie für die Kultur Namen gebenden Trichterbecher haben ein leicht bauchiges Unterteil und über der Gefäßschulter ein Oberteil, das wie ein Trichter geformt ist.

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Heute noch im Gelände erfahrbare Zeugnisse der Trichterbecher-Kultur stellen einige wenige erhaltene Großsteingräber dar, so z.B. die Großen Sloopsteene bei Westerkappeln (etwa 3.000 v. Chr.). Der Innenraum der gut erhaltenen Ost-West gerichteten Grabkammer misst 18,5 m x 1,8 m. Mit einer Ausnahme an der Nordseite sind die großen Tragsteine der Seitenwände - zehn im Norden und dreizehn im Süden - alle noch vorhanden. Ebenso die elf Decksteine, die sich allerdings nicht mehr in ihrer ursprünglichen Lage befinden. Auf den ehemaligen Zugang deuten zwei kleinere Tragsteine in der südlichen Längsseite. Vom Trockenmauerwerk und vom deckenden Erdhügel ist nichts mehr vorhanden. Funde sind aus dem bereits in alter Zeit durchwühlten Grab nicht bekannt.



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Der Bau der Großsteingräber, der in früheren Zeiten als das Werk von Riesen ("Hünengräber") betrachtet wurde, ist technisch nicht unbedingt kompliziert gewesen, bedeutete allerdings eine große, gemeinschaftliche Arbeitsleistung. In der näheren Umgebung liegende, nach Größe und Form geeignete Findlinge wurden über Holzrollen, vermutlich im Winter bei gefrorenem Boden, herangeschafft, mit Hebelkraft in vorbereiteten Fundamentgruben nebeneinander aufgerichtet, so dass die Kammerwände zuerst entstanden. Anschließend wurden die Decksteine über angeschüttete Erdrampen hochgezogen und auf den Seitenwänden in die richtige Position gebracht.

Die Großen Sloopsteene

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Die "Sloopsteene" auf dem Gabelin, an der Grenze von Westerkappeln und Wersen, sind das größte Megalithgrab Westfalens.


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Die Reste des Steingrabes mitten in der Bauerschaft Wechte bei Tecklenburg. Die Deckplatten sind im Laufe der Zeit weggeräumt worden

Danach wurden die Lücken zwischen den Findlingen durch Trockenmauerwerk abgedichtet, ein Eingang angelegt und das Steingrab mit Erde überhügelt. So entstanden religiöse Monumente die mehr als fünf Jahrtausende überdauerten und damit älter sind als die großen ägyptischen Pyramiden. Beim eindrucksvollen Großgrab in Wechte/Tecklenburg handelt es sich nach Sprockhoff um eine "Westfälische Steinkiste", die nicht zu den Megalithgräbern gezählt werden könne. Das 1927 freigelegte Grab enthielt etwa 200 Bestattungen mit ca. 800 Beigefäßen, darunter Tongefäße, Beile aus Feuerstein und Kieselschiefer, Pfeilspitzen, Knochengeräte und Schmuck.


spacerDie Reste des Steingrabes mitten in der Bauerschaft Wechte bei Tecklenburg. Die Deckplatten sind im Laufe der Zeit weggeräumt worden. 


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Die Beigaben liefern Anhaltspunkte dafür, dass die Trichterbecherleute an ein Weiterleben im Jenseits glaubten. Mit der Grablegung waren rituelle, religiöse Handlungen verbunden, von denen u.a. Feuerstellen zeugen, die vielleicht als Opfer- und Reinigungsfeuer dienten. In diesem Kontext diskutiert man auch über die Verwendung der Großsteingräber als Kultstätten im Rahmen eines Ahnenkults. Die Angehörigen der Megalithkultur kannten die Vorstellung von einer jenseitigen Welt, die hinsichtlich Vielfalt und Differenziertheit derjenigen der alten Ägypter in nichts nachstand. Den Toten wurden aus festem Stein "ewige Wohnungen" errichtet, sie wurden mit Speisen, Werkzeug und Gerät versehen.

Flachbeil
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Flachbeil - Sammlung Stadtmuseum Ibbenbüren
Flachbeil

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Ihr Schicksal in der jenseitigen Welt war mit dem Lauf der Sonne verknüpft. Die differenzierten Beziehungen zwischen Totenwelt, Leben im Jenseits, Verhältnis zu den Lebenden, Hoffnung auf Auferstehung oder Wiedergeburt entsprechen dem Auf- und Untergang der Sonnen sowie dem jahreszeitlichen Vegetations- und Lebenszyklus. Alljährlich - wahrscheinlich an bestimmten Tagen - fanden Gedenkfeiern statt, an denen zu Ehren der Ahnen mitgebrachte Speisen und Getränke verzehrt und geopfert wurden.

Ein zweites, heute nicht mehr erhaltenes Grab, befand sich südwestlich auf dem Hofe Arlemann. Die Rekonstruktion eines Hügelgrabes befindet sich etwa 500 m westlich von dort.
Aufzeichnungen belegen weitere Megalithgräber in Laggenbeck. 1986 fanden Archäologen des LWL auf dem Gelände der Gärtnerei Blom am östlichen Rand von Laggenbeck ein einzelnes Erdgrab. Die etwa 1 x 2 m große und 2 m tiefe Grube hatte Pfosten in den Ecken und eine Verschalung. Der Boden wurde wahrscheinlich mit einem Tierfell ausgelegt und darauf der Tote auf die linke Seite gelegt. Nach einiger Zeit wurde dann das Grab mit Erde bedeckt und mit Holzkohle beschichtet. Wahrscheinlich wurden auch kleinere Findlinge als "Grabsteine" benutzt.
Ein dem Toten beigegebenes Steinbeil und ein Keramikbecher mit dem typisch weiten Rand und bandartiger Verzierung belegten seine Zugehörigkeit zur Trichterbecherkultur. Nicht schlüssig erklären können die Archäologen bisher, warum zeitgleich Großsteingräber und Einzel-Erdgräber benutzt wurden. Die soziale Stellung der Toten spielte dabei keine Rolle. Die Trichterbecherkultur hatte als eine der neolithischen Großkulturen eine Verbreitung von den Niederlanden bis Osteuropa und von Südskandinavien bis Westfalen.


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Ursprünglich war die Zahl der Hünengräber in Nordwest-Deutschland wesentlich größer. Der Entwicklung der Sprengtechnik, mangelndem Sinn für die Bewahrung des Überkommenen, ungenügendem staatlichem Schutz und den Intensivierungsbestrebungen der Landwirtschaft fielen in den letzten 150 Jahren etwa 90% der Großsteingräber zum Opfer. Sie wurden zu Baumaterial zersprengt oder auch umgelegt und vergraben, um die Feldbewirtschaftung zu erleichtern. Heute sind Bodenkmale gesetzlich geschützt und werden staatlich überwacht.



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Hmmeraxt

Das Ende der Trichterbecher-Kultur wurde in unserer Gegend vermutlich durch einwandernde Gruppen der Schnurkeramik-Kultur (auch als Streitaxt-Kultur bezeichnet) in der Mitte des 3. vorchristlichen Jahrtausends verursacht. Die Grabfunde weisen auf eine kriegerische Bevölkerung hin, die ihre Heimat, so wie es derzeit aussieht, in Osteuropa hatte. "Den Männern wurden Waffen und Werkzeuge, den Frauen Schmuck mit ins Grab gelegt. Die Menschen der Einzelgrabkultur waren Viehzüchter und Bauern. Der Anbau von Emmer und Gerste ist belegt. An Haustieren wurden Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen

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Hammeraxt
Sammlung Stadtmuseum Ibbenbüren
gehalten. Vermutlich war auch das Pferd bereits domestiziert worden. Auch das Rad war bekannt."

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Sie werden für die Träger der indoeuropäischen Sprache gehalten. Eine soziale Differenzierung ist bei ihnen deutlich zu erkennen. Sie sind die letzten Vertreter jungsteinzeitlicher Becherkulturen (2.400 - 1.700 v. Chr.).
In den Jahren 1991 bis 1993 wurden in dem heutigen Gewerbegebiet "Ibbenbüren Süd" (Auf'm Trüssel) mehrere Grabungskampagnen durchgeführt. Sie galten einem seit 1928 bekannten Gräberfeld. Als älteste Gräber fanden sich zwei W-O ausgerichtete Gruben von etwa 2,5 x 1,4 bzw. 2,5 x 1,3 m, die zwei stark zerdrückte Keramikbecher der späten Jungsteinzeit enthielten. Sie waren mit unterschiedlichen Mustern verziert. Beide Gräber zeigten keine Grabeinhegung, dürften aber ursprünglich überhügelt gewesen sein.



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Ebenfalls aus der Zeit der endneolithischen Becherkulturen stammt ein Grab am "Alstedder Loh" mit einem Durchmesser von rund 15 m. Überreste von polierten Werkzeugen und fein bearbeiteter Flint (Feuerstein) in der Grabumgebung gehören in die gleiche Zeit. Auf dem Schafberg wurden um 1932 im Bereich einer Quelle 5 Steinbeile aus Kieselschiefer und die Spitze eines Feuersteindolches ausgepflügt. Einzelne Hammer- und Streitäxte, Schaftrillen-, Rund- und Rechteck-Beile der ausgehenden Jungsteinzeit wurden auch in den Ortsteilen Bockraden, Laggenbeck, Lehen, Osterledde und Schierloh gefunden.



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Die zahlreichen und weit verteilten Funde belegen eine relativ dichte Besiedlung durch Einzelhöfe und Sippenverbände im heutigen Stadtgebiet. Es kann davon ausgegangen werden, dass Ibbenbüren zum Ende der Steinzeit vor etwa 4.000 Jahren räumlich und wirtschaftlich sichtbar und dauerhaft erschlossen war.



Die Bronzezeit - die Bevölkerung und Siedlungsdichte nehmen zu
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Der Übergang von der späten Jungsteinzeit zur älteren Bronzezeit (ca. 1.700 - 1.200 v. Chr.) verläuft im Raum Ibbenbüren fließend und ohne merklichen Bruch. Allem Anschein nach kann mit einem längeren Fortleben der jüngsten Becherkulturen bis weit in die Bronzezeit ausgegangen werden. Unsere Region verfügt weder über Kupferlagerstätten noch andere bedeutsame und tauschbare Bodenschätze. Damit sind die Voraussetzungen zu einer spürbaren und deutlichen Änderung der Wirtschafts- und Sozialstruktur nicht gegeben. Es ist deshalb auch nicht verwunderlich, dass Stein - wie auch in anderen metallarmen Gegenden - noch lange der vorherrschende Werkstoff für jede Art von Geräten bleibt, während in anderen Gebieten längst Kupfer und bald darauf die Legierung Bronze (90% Kupfer, 10% Zinn) Verwendung finden.


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Die schon zum Ende der Jungsteinzeit einsetzende Zunahme der Siedlungs- und Nutzungsfläche setzt sich in der älteren Bronzezeit fort. Die Hauptquellen für die Bronzezeit Westfalens sind aber nicht die Siedlungen, sondern die Grabfunde.

In der frühen Bronzezeit wurden offenbar nur die Angehörigen einer Oberschicht individuell unter großen Grabhügeln aus Steinen, Lehm und Sand bestattet. Grabbeigaben waren Äxte und Dolche aus Stein, die häufig den Formen von Bronzegeräten nachempfunden waren.

Steinbeil
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Steinbeil - Sammlung Stadtmuseum Ibbenbüren
Steinbeil

spacerDas im Stadtmuseum ausgestellte Steinbeil zeigt, wie die Steinmetze der damaligen Zeit die für unsere Bauern unerschwinglichen, in Bronze gegossenen Vorbilder in nahezu vollendeter Form nachahmten.


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In die ältere Bronzezeit gehört eine kreisrunde, doppelreihige Pfostensetzung des Gräberfelds "Auf'm Trüssel" von etwa 12 m im Durchmesser. Im Innenraum ließ sich noch eine rechteckige, W-O ausgerichtete Grabgrube erkennen, Funde waren jedoch nicht enthalten.
Eine Besonderheit ist die Wallburg auf dem Schweinskopf oberhalb von Brochterbeck. Im 17. Jh. v. Chr. errichtet man hier eine Befestigung auf einem Bergsporn, vermutlich um den Passübergang des Teutoburger Waldes zu kontrollieren. Grabungen haben erkennen lassen, dass die Erdwälle dieser Anlage am Südhang des Bergkegels ursprünglich von hohen Palisadenpfosten gestützt wurden. Am nördlichen Hang, abgeschirmt durch das vormals sumpfige Bocketal, sind zwei mit aufgeschichteten Steinmauern umgebene Vierecke zu erkennen, die wahrscheinlich auch als Schutzplätze für die Viehherden dienten.


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Mit der mittleren Bronzezeit beginnen sich die Bestattungssitten zu ändern. In Westfalen tauchen neben den Körpergräbern erste Brandbestattungen auf. Holzsärge oder eigens aus Eichenbohlen gezimmerte "Totenhütten" wurden verbrannt und unter einem Grabhügel beerdigt. Mit der jüngeren Bronzezeit finden sich größere Gräberfelder, auf denen die Toten dann grundsätzlich verbrannt bestattet wurden. So auch auf den jungbronzezeitlichen Urnenfriedhöfen im Stadtgebiet. Der Verstorbene wurde verbrannt, der Leichenbrand anschließend vom Scheiterhaufen abgelesen und in eine Urne gefüllt, die häufig mit einer Schale bedeckt wurde. Anfangs bedeckten das Grab noch flache kleine Grabhügel, später sind Flachgräber die Regel. Tierknochen oder organische Rückstände z.B. von Fladenbrot und breiartigen Speisen in den Beigefäßen zeigen, dass den Toten Speisen mit auf den Weg gegeben wurden.
Die großen Urnenfriedhöfe aus der jüngeren Bronzezeit und der älteren Vorrömischen Eisenzeit liegen im Naturraum der Ibbenbürener Senke, jeweils an den trockenen Rändern der Aa-Aue auf beiden Seiten des Baches. Die Bäche, Flüsse und Seen lieferten Fisch. Die Aue konnte als Grünland genutzt werden. An den Hochwasser geschützten Unterhängen des Osnings und der Schafbergplatte kam es durch die Verwitterung des anstehenden Gesteins und durch die Überwehung mit Löß zur Bildung von tiefgründigen Braunerden und Parabraunerden. Diese konnten nach der Rodung des Waldes ackerbaulich genutzt werden. Dort siedelten sich die Menschen an und begruben ihre Toten.


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Vasenkopfnadel, Pinzette und Rasiermesser  aus dem Urnengrab F 472

Etwa 90 Brandgräber, die "Auf'm Trüssel" erfasst wurden, fallen in die jüngere Bronze-/ältere Vorrömische Eisenzeit.
Kreisrunde Einhegungsgräben mit einem Durchmesser bis zu 7 m, elf schlüssellochförmige Anlagen bis zu 18 m lang und 8,5 m breit sowie sechs Langbetten, von denen das größte eine Länge von 32 m und eine Breite von 7 m aufwies. Die Gräber wurden äußerlich durch Hügel, umgeben von Kreis- oder Schlüssellochgräbern kenntlich gemacht. Letztere sind gerade für Westfalen und das südwestliche Niedersachsen (Ems-Gruppe) charakteristisch.

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Vasenkopfnadel, Pinzette und Rasiermesser
aus dem Urnengrab F 472
Quelle: 850 Jahre Ibbenbüren, Jürgen Gaffrey, Der Brandgräberfriedhof "Auf'm Trüssel" in Ibbenbüren, Seite 360, Abb. 11,

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Bronzebeigaben sind, wie auf anderen Urnenfriedhöfen Westfalens, selten. Immerhin liegen aber einige interessante Einzelstücke vor: zwei Vasenkopfnadeln mit gekrümmtem Schaft, eine schlanke unverzierte Pinzette, zwei nordische Rasiermesser und -äußerst selten - ein Angelhaken. Auch konnten in einigen Bestattungen Brotreste nachgewiesen werden.
Unmittelbar südöstlich des Gräberfelds konnte eine Siedlung belegt werden. Neben Gruben mit Eisenschlacken, die aus der Verhüttung von Raseneisenstein stammen, konnten die Grundrisse mehrerer Speicher mit 4 oder 6 Pfosten erfasst werden.

Nicht weit hiervon entfernt in der Umgebung des Hofes Mutert (Ibb.-Lehen) war bereits 1974, beim Bau der Autobahn A 30, ein großes Gräberfeld mit Urnen gefunden worden.


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Das Gebiet der jetzigen Siedlung "Alstedder Loh" ist seit langem als urgeschichtlicher Friedhof bekannt, der an einem alten O-W Handelsweg (der jetzigen Ledder Straße) lag. Erste vermerkte Urnenfunde wurden um 1830 gemacht. In den Jahren 1998/99 führte das Westfälische Museum für Archäologie in Münster großflächige Ausgrabungen durch. Auf einer Fläche von 6300 qm wurden über 60 Brandgräber aus der Zeit 750 - 500 v. Chr. gefunden. Der Leichenbrand (ca. 1,6 - 2,0 kg bei einem Erwachsenen) wurde sorgsam aus der Asche ausgelesen, gewaschen und in einem Tongefäß als Urne (Urnengrab) oder einem Tuch (sog. Leichenbrandnest) beigesetzt.


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Zusätzlich wurden die Urnen häufig mit einem Stein oder einer umgedrehten Schale abgedeckt und mit Grabbeigaben - Speisebeigaben, bronzene Pinzetten oder Rasiermesser - ausgestattet. Die anschließend überhügelten, bis zu 9 m langen Grabstellen hatten die Form eines Schlüssellochs.


spacerGrabhügel am Windmühlenweg

Wortgeschichtlich betrachtet leitet sich Alstedde von Alahstat bzw. Elstedi her. Beides bedeutet "geheiligter Ort" und deutet auf einen Friedhof mit Kultplatz hin. Unter Loh wird ein Gehölz oder Gebüsch verstanden. Der nahe gelegene Ibbenbürener Hauptfriedhof setzt diese Tradition fort. Ein weiteres, relativ dicht besiedeltes Gebiet lag auf dem Dickenberg. In den 1920er/30er Jahren konnten vom Heimatforscher R. Dolle noch einige hundert Grabhügel kartiert werden. Als Anfang 1987 eine aktuelle Bestandsaufnahme durchgeführt wurde ergab sich ein Restbestand von 78 obertägig erhaltenen Hügelgräbern.

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Grabhügel am Windmühlenweg
 

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Soweit erkennbar haben alle Grabhügel einen Kern aus aufgeschichteten Steinen, der mit Erde überdeckt wurde. Nach formalen Kriterien dürften die kleineren Hügel der jüngeren Bronze-/älteren Vorrömischen Eisenzeit, einige größere Anlagen der späten Jungsteinzeit / frühen Bronzezeit zuzurechnen sein.

Aufgrund der dichten Fundlage können die etwa 1.700 Jahre von den endneolithischen Becherkulturen bis zum Ende der Bronzezeit als eine erste Blütezeit Ibbenbürens betrachtet werden.

Danach werden archäologische Zeugnisse rar. In den etwa 1.200 Jahren von der vorrömischen Eisenzeit (ab 700 v. Chr.), der römischen Kaiserzeit (0 - 350 n. Chr.) und der Zeit der Völkerwanderung (350 - 500 n. Chr.) erfolgt ein erheblicher Bevölkerungsrückgang in unserem Gebiet. Ob die Urbevölkerung ganz oder teilweise, z.B. aufgrund klimatischer Verschlechterungen, abwanderte und die ab 250 n.Chr. von Nordosten einwandernden Sachsen einen Leerraum in Besitz nahmen oder zwischen einer ansässigen Bevölkerung siedelten und sich nach und nach mit dieser vermischten, bleibt vorerst ungeklärt.



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Ende des 1. Teils - Albert Recknagel - Ibbenbüren im August 2008
E-Mail: albertrecknagel@stadtmuseum-ibbenbueren.de

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spacerFotos: Albert Recknagel, Brigitte Striehn




Literatur:

 J. Gaffrey, Der Brandgräberfriedhof "Auf´m Trüssel" in Ibbenbüren. In: J. Bröker (Red.), 850 Jahre Ibbenbüren. Porträt einer Stadt in Text und Bild. Ibbenbürener Stud. 3 (Ibbenbüren 1996) 339-352.

Horn, Heinz Günter (Hrsg.): Neandertaler + Co. Eiszeitjägern auf der Spur - Streifzüge durch die Urgeschichte Nordrhein-Westfalens, Mainz 2006

Kastner, Hugo: Geografische Namen und ihre Herkunft, 2007

Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL): Ausgrabungen und Funde in Westfalen-Lippe,
Jg.7 (1992) und Jg. 10 (2007)

Niederhöfer, Kai: Urgeschichte Westfalens, (www.lwl.org/westfaelische-geschichte/..)

Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz (Hrsg.): Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern, Band 45 (Münster, Westliches Münsterland, Tecklenburg), Teil 1: Einführende Aufsätze, Mainz 1980

Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz (Hrsg.): Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern, Band 46 (Münster, Westliches Münsterland, Tecklenburg), Teil 2: Exkursionen, Mainz 1981

Steinmetz, Wolf-Dieter: Archäologie des niedersächsischen Bergvorlandes, in: Archäologie-Land-Niedersachsen, Begleitschrift zur Ausstellung, Oldenburg 2005

Staatliches Museum für Naturkunde und Vorgeschichte Oldenburg: Wohin die Toten gehen. Kult und Religion in der Steinzeit, Oldenburg 2000

Westfälisches Museum für Archäologie: Neujahrsgruss, Ausgaben 2000 - 2007, (das ist der Jahresbericht der Münsteraner Archäologen)


Links zum Thema:

spacerLandesmuseen - http://www.lwl.org/LWL/Kultur/Kulturabteilung/Landesmuseen
Westfälisches Museum für Archäologie in Herne - http://www.lwl.org/LWL/Kultur/WMfA_Herne
Römisch-Germanisches Zentralmuseum, Mainz - http://web.rgzm.de/
Landesmuseum für Natur und Mensch in Oldenburg - http://www.naturundmensch.de/
Die Großen Sloopsteine - http://westerkappelnnet.de/sights/sloopsteine.html
Steinzeit in Westfalen - http://www.skulptur-projekte.de/LWL/Kultur/Westfalen_Regional/Siedlung/Steinzeit/
Bronzezeit/Eisenzeit in Westfalen - http://drug05.org/LWL/Kultur/Westfalen_Regional/Siedlung/Bronzezeit/
Urgeschichte Westfalens - http://www.lwl.org/westfaelische-geschichte/portal/Internet
Lippisches Landesmuseum Detmold - http://www.lippisches-landesmuseum.de/pages_neu/start.php
LWL-Museum für Archäologie - Herne - http://www.lwl.org/LWL/Kultur/WMfA_Herne/
Archäologisches Freilichtmuseum Oerlinghausen - http://www.afm-oerlinghausen.de/
Museum für Ur- und Frühgeschichte - Wasserschloss Werdringen - http://www.historisches-centrum.de/






Foto oben (Blick auf Ibbenbüren mit Nike und Textilfabrik Többen - 1922) Sammlung Rohlmann


© Förderverein Stadtmuseum Ibbenbüren e. V.
Breite Straße 9 - 49477 Ibbenbüren
Stadtmuseum Ibbenbüren
Aktualisiert/Update 09.05.2010
www.stadtmuseum-ibbenbueren.de
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